Offener Brief Dresdner Vereine und Initiativen
6. Juni 2008
Dieser offene Brief vom 19. März 2008
an den Sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt
wurde von 22 Dresdner Vereinen und Initiativen unterzeichnet.
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
der Umgang mit dem Welterbe Dresdner Elbtal hat in den letzten Wochen eine für uns unerträgliche Entwicklung genommen. Alles deutet darauf hin, dass mit der Weiterführung der Arbeiten am Brückenbau der Verlust des Welterbetitels von den Entscheidungsträgern einkalkuliert ist. Dieser Sachverhalt ist skandalös und von uns nicht hinnehmbar!
Das im Januar dieses Jahres stattgefundene Gespräch mit Vertretern von UNESCO und ICOMOS beantwortete die Frage nach Erhalt oder Aberkennung des Welterbetitels nicht. Unzweifelhaft dürfte sein, dass mit dem überarbeiteten Brückentwurf den Bedenken der UNESCO nicht abgeholfen werden konnte.
Das Welterbe besteht nicht nur aus seiner viel gepriesenen, wunderschönen Landschaft, der herrlichen Altstadt Dresdens mit ihren Kulturdenkmalen – nein, zum Welterbe gehören auch die Menschen, die in ihm leben und gelebt haben. Wir denken besonders an die Dresdner Bürger, die in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten durch ihr verantwortungsvolles und weitsichtiges Denken und Handeln die Stadt und ihr Umland erst zu dem haben werden lassen, was die Beantragung auf Verleihung des Welterbetitels überhaupt in Frage kommen ließ.
Wir denken aber auch an alle diejenigen, die sich mit der Wende im Herbst ‘89 in Bürgerkomitees und -initiativen, in Ortsvereinen, in den Ortsbeiräten der Ortsämter, in Verbänden und anderen Vereinigungen zusammenfanden und für das Wohl und Wehe von Stadt und Land Verantwortung übernahmen. Und das taten und tun sie bis heute in unzähligen ehrenamtlichen, gemeinnützigen Stunden mit Sachverstand und großem Engagement. Solches bürgerschaftliches Engagement sehen wir als ein unverzichtbares Gut im demokratisch verfassten Gemeinwesen an, und es war auch ein bestimmender Faktor für die Beantragung und Verleihung des Welterbetitels.
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, wir fordern Sie hiermit auf, alles in Ihrer Macht stehende zu tun, damit die Gestaltung der Elbquerung am Waldschlösschen den hohen Maßstäben für das UNESCO-Welterbe gerecht wird und nicht die Einmaligkeit unserer Stadt-Landschaft auf Dauer entwertet.
Die Gestaltung der Elbquerung kann nach unserer Meinung nur in einer Tunnelvariante liegen.
Wir bitten Sie, einer Sprechergruppe unserer Bürgerinitiativen sehr bald Gelegenheit zum Gespräch über mögliche Auswege aus dem unsäglichen Dresdner Konflikt zu geben.

